dieter.studer@psychologie.ch

Allgemein

Hinter der Maske: Das verborgene Selbst der People Pleaser

People Pleaser

Autor

Datum

People Pleaser:
Die Bedeutung von persönlichen Grenzen im privaten und beruflichen Umfeld

Wir Menschen sind soziale Wesen und das Bedürfnis, anderen zu gefallen und von einer Gruppe akzeptiert zu werden, ist tief in uns verwurzelt. Obwohl Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme grundsätzlich positive Eigenschaften sind, kann ein übertriebenes Bedürfnis, es anderen recht zu machen, zu psychologischen Problemen führen. Ein übermässiges „People Pleasing“ kann die eigenen Grenzen gefährden und oft zu unaufrichtigen Interaktionen führen.

«Allen zu gefallen ist ein Rezept für Stress, eine sichere Strategie, sich selbst zu verlieren, und das genaue Gegenteil davon, Freude und Authentizität in deinen Beziehungen zu finden.»

Dieter Studer

Psychologe

Charakteristika eines People Pleaser

Besonders im Berufsleben kann dieses Verhalten stressig werden, da es dazu führt, dass eigene Gedanken und Meinungen oft nicht ausgedrückt werden. Im schlimmsten Fall kann dies bis zum Burnout führen. Daher ist es entscheidend, die eigenen Grenzen zu erkennen und einzuhalten.

Typische Merkmale eines People Pleasers umfassen:

  • Die Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer schnell zu erkennen und darauf zu reagieren
  • Die Tendenz, eigene Bedürfnisse und Pflichten zu vernachlässigen
  • Die Bereitschaft, mehr Aufgaben zu übernehmen, als sie tatsächlich bewältigen können
  • Das Zurückhalten der eigenen Meinung, um Konformität zu wahren
  • Schwierigkeiten, „nein“ zu sagen und Schuldgefühle bei Enttäuschung anderer
  • Die Vermeidung von Konflikten und Konfrontationen

Selbstschutz und die psychologischen Implikationen

People Pleaser zeigen nicht nur ein sozial angepasstes Verhalten, sondern oft auch eine tief verwurzelte Selbstschutzstrategie. Menschen, die ständig versuchen, die Erwartungen anderer zu erfüllen, tun dies häufig, um Ablehnung und Konflikte zu vermeiden. Sie nehmen eine Rolle ein, die nicht ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen entspricht, was zu erheblichen internen Konflikten führen kann. Die ständige Anpassung an die Wünsche anderer kann bedeuten, dass eigene Bedürfnisse und Wünsche unerfüllt bleiben, was langfristig zu Unzufriedenheit und einem Gefühl des Verlusts der eigenen Identität führen kann.

Diese Art von Verhalten führt oft dazu, dass People Pleaser extrem flexibel mit ihrem Zeitplan umgehen, um stets zur Verfügung zu stehen und die Aufgaben anderer zu übernehmen. Dies kann zwar kurzfristig zu sozialer Anerkennung führen, belastet aber langfristig die psychische Gesundheit, da es zu Überarbeitung und emotionaler Erschöpfung führen kann. Das ständige Streben nach Zustimmung und Anerkennung durch andere kann auch das Selbstwertgefühl untergraben. Menschen, die sich übermässig anpassen, entwickeln möglicherweise ein verzerrtes Selbstbild, das stark von der Bestätigung durch andere abhängt.

Zudem kann dieses Verhaltensmuster zu einem Mangel an authentischen zwischenmenschlichen Beziehungen führen. Wenn ein Mensch ständig versucht, Konflikte zu vermeiden und es allen recht zu machen, kann dies dazu führen, dass seine wahren Gefühle und Meinungen nie ausgedrückt werden. Dies kann Beziehungen oberflächlich und unerfüllend machen, da echte Nähe und Verbundenheit oft durch das Teilen von authentischen Gedanken und Gefühlen entsteht.

People Pleaser - was nun?

Es ist wichtig, dass People Pleasers erkennen, dass dieses Muster nicht nur ihre Beziehungen beeinträchtigt, sondern auch ihre Fähigkeit, sich selbst treu zu sein. Durch das Erkennen der eigenen Verhaltensmuster und das Verstehen der zugrundeliegenden Ängste und Motivationen können sie beginnen, bewusstere Entscheidungen zu treffen. Das Setzen und Einhalten von persönlichen Grenzen ist ein entscheidender Schritt, um sich aus dem Zyklus des People Pleasing zu befreien. Dies kann durch verschiedene Methoden unterstützt werden, wie zum Beispiel durch Achtsamkeitstraining, therapeutische Unterstützung oder Selbsthilfegruppen, die darauf abzielen, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu stärken.

Indem People Pleaser lernen, ihre eigene Wertschätzung unabhängig von der Anerkennung durch andere zu entwickeln, können sie ein gesünderes, erfüllteres Leben führen und Beziehungen aufbauen, die auf echter Gegenseitigkeit und tiefem Verständnis basieren.

Selbstreflexion und Grenzen setzen

Es ist von entscheidender Bedeutung, sich über die tieferen Gründe klar zu werden, warum man das Bedürfnis verspürt, anderen zu gefallen. Diese Selbstreflexion hilft, unbewusste Muster zu erkennen und zu durchbrechen.

Hier sind einige Fragen, die zur Selbstreflexion anregen:

WARUM – Warum ist es so wichtig, anderen zu gefallen?

Besteht die Sorge, den eigenen Job zu verlieren, wenn man nicht zu allem Ja sagt? Gibt es tief verwurzelte Ängste aus früheren Erfahrungen, die dazu führen, dass man nach Anerkennung strebt? Diese Frage hilft dabei, die eigenen Unsicherheiten und die möglicherweise unrealistischen Erwartungen, die man an sich selbst stellt, zu erkennen und zu hinterfragen.

GRENZEN – Wo sind meine persönlichen Grenzen?

Kann ich ehrlich beurteilen, wann ich diese überschritten habe? Wie fühlt sich das an und wie kann ich das ändern? Es ist wichtig, regelmässig zu reflektieren, ob man sich in Interaktionen wohl fühlt oder ob man sich überfordert fühlt. Das Erkennen und Respektieren der eigenen Grenzen ist essenziell, um nicht nur psychische, sondern auch physische Gesundheit zu bewahren.

TIMEOUT – Brauche ich eine Pause, bevor ich zustimme?

Bevor man automatisch einer weiteren Aufgabe zustimmt, sollte man innehalten und sich selbst die Möglichkeit geben, die Situation zu bewerten: „Einen Moment, ich melde mich bald bei dir.“ Dieser kleine Abstand kann entscheidend sein, um zu überlegen, ob die zusätzliche Verantwortung wirklich im eigenen Leistungsrahmen liegt oder ob es lediglich ein Reflex ist, um die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Fazit

Indem man lernt, seine eigenen Gedanken und Gefühle zu erkennen und zu respektieren, anstatt sich ausschliesslich auf die Wünsche anderer zu konzentrieren, kann man beginnen, gesunde Grenzen zu setzen. Dies schützt nicht nur vor Überlastung und Burnout, sondern fördert auch ein authentischeres und erfüllteres Leben. Zusätzlich kann es hilfreich sein, Techniken wie Tagebuchschreiben oder Gespräche mit einer Fachperson zu nutzen, um die eigenen Gefühle und Gedanken besser zu verstehen und zu verarbeiten. Durch das Setzen klarer Grenzen und das bewusste Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse kann man schliesslich lernen, sich selbst und seine Gesundheit zu priorisieren, was zu einer stabileren mentalen Verfassung und verbesserten zwischenmenschlichen Beziehungen führt.

Weitere Beiträge